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Bildbesprechung

Wie bereits das kürzlich mit dem Lucas Cranach Sonderpreis dotierte Werk „Paradise Lost“, sind auch „The Secret“ und „Rebirth“ Teil eines Zyklus von Werken, die sich mit der Metaphysik von Tod, (Wieder-)Geburt und der Frage nach der menschlichen Freiheit beschäftigen.

 

thesecret

 

Das großformatige Ölgemälde „The Secret“ (200 x 360 cm) zeigt eine schwangere Frau, Symbol der Urmutter unter dem Weltenbaum, als Kanal für die Seelen in diese Welt. Die schwangere Frau ist hier jedoch keineswegs als heilige Mutter dargestellt, sondern vielmehr als eine um das dunkle Geheimnis der Inkarnation wissenden Lilith. Der Archetyp Lilith, als Gegenpol zur heiligen Maria, symbolisiert den manipulativen Machtaspekt von Mütterlichkeit. Dieser weiblich- erotisch- manipulative Machtaspekt taucht im Bildwerk des Künstlers wiederholt auf, so zum Beispiel in „Mea Culpa“, „Miami Ink“, „Wolfshochtzeit“, „The Deep“ und „Brides“.

Die Kinder in „The Secret“ stehen für inkarnierte Seelen wider Willen, welche den Zustand der Polarität zu überwinden suchen, symbolisch durch das Beten dargestellt. Fast flehend scheinen die Portraits der Kinder zu sagen: „Holt uns hier raus“. Die jesusartige Figur am rechten Bildrand, symbolisch als Archetyp für Spiritualität, scheint jedoch keine direkte Hilfe anzubieten, vielmehr verweist die Figur mit dem Mal der Kreuzigung auf den Tod. Wie in der Mythologie üblich, beschreibt das Symbol des Kreuzes jedoch nicht zwingend den physischen Tod, als viel mehr den Tod des Egos - als tatsächliche Überwindung der Polarität.

 

rebirth

 

In „Rebirth“ (100 x 160 cm) verdichtet sich symbolisch Neuanfang UND Ende, ironische Untertöne (wie der Schnuller beim Baby in der Mitte) machen das Thema erträglicher. Das Kleinkind, von je her Symbol der Unschuld und Reinheit - sowie der Tod, von je her Symbol des Endes und dem Preis der Sünde, verdichten sich in „Rebirth“ auf unangenehme Weise zur Einheit.

Spontanassoziation zum Werk mag vielleicht der reale Tod von Kindern sein, doch nur, um bei näherer Betrachtung der Frage nach dem „woher kommen Kinder“ nachzugehen. Sie kommen aus dem Jenseits, einem Ort der uns verstellt ist. Der Titel „Wiedergeburt“ verrät dem Betrachter, das es sich um ein Jenseits der Toten handelt, einer Sphäre, dem neugeborne Kinder soeben entschlüpft sind. Jedoch nur, um im Diesseits bereits das angelegt zu finden, was sie sicher wieder erwartet: Der erneute Tod. „Rebirth“ stellt so die Frage nach dem Sinn der Wiedergeburt, dem ewigen „stirb und werde“.

Angesichts der Ambivalenz in Ungers Arbeiten ist der Betrachter vielfach verunsichert - wie ernst soll er die Intention der Gemälde nehmen? Einerseits ein ernstes Sujet voll mystischer Symbolik - andererseits jedoch ironische Untertöne und Zitate bis hin zur Komik, die zu sagen scheinen: Nehmt das Ganze bitte nicht allzu ernst. Neben den Sujets beeindruckt Ungers Malerei vor allem durch seinen authentischen Duktus, die Bilder sind wuchtig, expressiv und in dieser konsequenten Impastotechnik höchst selten zu sehen.