Smart Investor:
Herr Unger, wodurch wurde Ihr Interesse an der Politik geweckt und was ließ Sie zu einem Autor politisch höchst relevanter Bücher werden?

Unger:
Ursprünglich ging es in meinen Büchern um Authentizität, Kreativität und echtes Erwachsenwerden. Doch nach der sogenannten Flüchtlingskrise von 2015 wurde mir bewusst, dass alle individualpsychologischen Probleme kollektive und damit politische Bedeutung haben. Es gibt eine formal politische Freiheit, die in einer offenen Gesellschaft eigentlich garantiert sein sollte, sowie eine innerpsychische. Das Problem ist: Die eine Freiheit bedingt die andere. Verunsicherte Individuen können nichts zur Sicherung und Ausgestaltung freier Gesellschaften beitragen. Im Gegenteil – als  Konformisten laufen sie Gefahr, paternalistischen Mustern zu folgen. Der Psychoanalytiker Hans-Joachim Maaz spricht von „Normopathie“, wenn große Gesellschaftsteile von infantilen Charakteren getragen werden. …das ganze Interview lesen (PDF)

pip:
Hallo Herr Unger! Mit ihrer Veröffentlichung von „Die Wiedergutmacher“ präsentieren sie eine bemerkenswert detaillierte Bestandsaufnahme der politischen Lage. Besteht ihr Anliegen darin, ein bleibendes Zeitzeugnis abzulegen?

Unger:
Vor allem geht es mir darum, eine Antithese zum vorherrschenden Narrativ zu zeichnen. Denn wir alle leben – bildlich gesprochen – unter einer Art Glocke einer bestimmten gesellschaftlichen Erzählung. Hierzu wollte ich, in Bezug auf Kunst, Medien und ganz allgemein freies Denken, ein Kontrastbild entwerfen. … das ganze Interview lesen

Interview mit dem Kunstverein-Hof, im Rahmen der großen Retrospektive „Mea Culpa –  Die Wahrheit über Ernie und Bert“, April 2013

Durch das Interview führte Ralf Sziegoleit. Der Journalist und Kunstkritiker war jahrelang Chef des Kulturressorts der Frankenpost. Für seine besonderen kulturellen und schriftstellerischen Leistungen wurde Sziegoleit 2008 mit der Johann-Christian-Reinhart-Plakette der Stadt Hof ausgezeichnet.

Kunstverein Hof, Galerie im Theresienstein

Ralf Sziegoleit:
Wie bist Du zum Malen gekommen? Du hast ja, soweit ich weiß, nicht schon immer figurativ gemalt?

Raymond Unger:
Das stimmt, ich habe ungefähr zwei Jahre abstrakt gemalt. Dann, wahrscheinlich beeinflusst durch meinen Onkel, der ein religiöser Kunstmaler war und der für das katholische Bibelwerk Kinderbibeln illustriert hat, wollte ich mich auch an der Figuration versuchen. Denn schon als Kind bin ich immer in seiner Werkstatt herumgelaufen. Ich hab dann also figurativ gemalt, ganz normal mit dem Pinsel. Irgendwann hab ich dann zaghaft angefangen den Spachtel einzusetzen, wie das ja viele Maler machen, wenn sie mal eine besondere Nuance setzen wollen. Doch ziemlich schnell fand ich das sehr gut. Der unkontrollierte, harte Farbauftrag mit dem Spachtel hat mich gereizt, sodass ich mir ab 2004 ein eigenes „Reinheitsgebot“ auferlegt habe. Und seither male ich nur noch mit dem Spachtel. … das ganze Interview lesen (PDF)